Crossdogging - eine strukturierte Erklärung

warum wir es bewusst so aufgebaut haben

Crossdogging ist ein Zirkeltraining für Mensch und Hund. Als wir (Melanie Fydrich und Raphaela Niewerth) das Konzept entwickelt haben, war uns eines besonders wichtig: Es sollte nicht darum gehen, eine einzelne Hundesportart zu perfektionieren. Stattdessen wollten wir ein Training schaffen, in dem Mensch und Hund wechselnde Aufgaben unter klaren Rahmenbedingungen lösen – Woche für Woche neu, nachvollziehbar strukturiert und trotzdem kreativ.

Unterschied zu klassischen Hundesportarten

In vielen Hundesportarten wird an festen Übungsabläufen gearbeitet (z. B. Gerätefolge, Kür, Parcours). Beim Crossdogging nutzen wir zwar Elemente aus verschiedenen Sparten (z. B. Hürden, Tunnel, Targets, Tricks, Nasen-/Suchideen), aber wir bauen die Aufgaben bewusst so, dass sie oft anders sind, als sie auf den ersten Blick wirken: Das Team soll zuhören, umdenken und sich auf die aktuelle Aufgabenlogik einlassen – statt „abzuspulen, was man schon kann“.

 

Mehr als Beschäftigung

Crossdogging ist bewusst so gebaut, dass Teams nebenbei sehr viel trainieren:

  • Alltagssignale und Basics in wechselnden Kontexten
  • Impulskontrolle und Arbeits-/Pausenwechsel
  • Konzentriert bleiben trotz Zeit, Beobachtung und Ablenkung
  • Teamarbeit: Mensch lernt klarer zu führen, Hund lernt besser mitzudenken

 


Pädagogische Idee & Trainingsphilosophie

Crossdogging verfolgt eine klare Trainingsidee – und wir haben die Bausteine so gewählt, dass sie genau diese Idee unterstützen:

1. Unbekanntheit als Trainingsprinzip
Aufgaben sind für Teilnehmende nicht im Vorfeld zum Üben gedacht. Die Stunde trainiert bewusst das spontane Problemlösen, nicht das Wiederholen einer auswendig gelernten Routine.

2. Vielseitigkeit statt Spezialisierung
Ziel ist ein „Allround“-Team: Stärken zeigen dürfen, aber auch Schwächen begegnen und daran wachsen – statt auszusetzen, sobald es schwierig wird.

3. Struktur durch Zeit und Ablauf
Der feste Rahmen (Erklären → Erkunden → Zeitdurchgänge → Rotation) schafft Vorhersehbarkeit, hält Gruppen in Bewegung und erleichtert dir als Trainer*in das Management.

4. Fairness & Verantwortung
Crossdogging funktioniert über klare Kriterien und ein Grundprinzip von Vertrauen und sauberer Ausführung. Punkte gibt es nur für das, was im Sinne der Aufgabenstellung korrekt erfüllt wird.

 


Stresslevel im Blick behalten (Belastung steuern)

Uns war wichtig, dass Crossdogging zwar „Druck“ mitbringt (Zeit, Beobachtung, neue Aufgaben) – und gleichzeitig so aufgebaut ist, dass Stress aktiv gemanagt werden kann:

  • Kurze Arbeitsintervalle: Ein Team arbeitet kurz und fokussiert (typisch 2 Minuten), danach ist Pause bzw. Wechsel.

  • Entspannungsanteile sind eingebaut: Während ein Team arbeitet, ist das andere in einer ruhigeren Rolle (Zählen/Beobachten) und kommt runter.

  • Leinenmanagement reduziert Chaos: Der Hund des zählenden Teams bleibt an kurzer Leine, während der andere arbeitet – das senkt Erregung, verhindert „Mitrennen“ und hält die Station sauber.

  • Trainer steuert Tempo: Du stoppst zentral, gibst Start/Stop/Wechsel – so entstehen weniger Leerlauf, weniger „Hochfahren“ und weniger Unruhe.


Kommunikation Mensch–Hund: wie Crossdogging sie fördert

Als wir Crossdogging entwickelt haben, war uns wichtig, dass Kommunikation und Problemlösen im Fokus stehen – nicht das mechanische Abrufen bereits eintrainierter Routinen. Deshalb sind viele Aufgaben so gestaltet, dass der Hund sehr genau zuhören und mitarbeiten muss, um herauszufinden, was „gemeint“ ist. Genau dadurch entsteht automatisch mehr Klarheit im Team: Menschen lernen, sauberer zu führen – über Körper, Timing, klare Hinweise und eine sinnvolle Belohnungsplanung – weil es sonst innerhalb der typischen 2 Minuten nicht funktioniert. Gleichzeitig lernen Hunde, ansprechbar zu bleiben, sich am Menschen zu orientieren und nicht nur auf Reize oder die Umgebung zu reagieren.

In der Trainerrolle begleiten wir diesen Prozess vor allem darüber, dass wir klare Start- und Endpunkte setzen (also: wann zählt eine Wiederholung wirklich), die Kriterien ruhig und sauber halten statt hektische Wiederholungen zu fördern und das Belohnungsmanagement passend steuern: Wann lohnt sich Tempo, wann Präzision? Welche Hilfen sind in welcher Liga sinnvoll – Study, Bachelor oder Master.

 


Individualität der Hunde: Anpassung ohne Konzeptverlust

Crossdogging ist ausdrücklich so gedacht, dass du anpassen darfst und sollst:

  • Gerätehöhe, Abstände, Targets, Größe von Hilfsmitteln

  • Alternativen bei körperlicher Einschränkung

  • Anpassung an Motivation (Futter/Spiel/soziale Bestätigung)

Regel dabei: Die Grundidee der Aufgabe bleibt gleich. Du passt die Ausführung so an, dass der Hund sie leisten kann, ohne dass die Aufgabe „eine andere“ wird.

 

Monatslogik

Trainingstipps-Woche und Aufgaben-Wochen

Der Crossdogging-Monat startet immer mit dem ersten Montag eines Monats: In dieser Woche gibt es Trainingstipps (keine Aufgaben)

👉 Trainingstipp-Woche

Trainingstipps sind die 3 Trainingsschwerpunkte des Monats. Jeden Monat stellen wir die Teams somit vor neuen Herausforderungen. Ein Trainingstipp kann zum Beispiel ein spezieller Trick, ein unbekanntes Signal oder eine ungewöhnliche Abfolge sein. Du bekommst eine Beschreibung um zu verstehen, 

  • was genau gemeint ist,

  • wie du es mit deinen Kunden trainieren kannst,

  • welche Anforderungen in Study/Bachelor/Master dazu passen.

Zweck: Du baust in Woche 1 die Grundlagen auf, die später in 3 von 5 Aufgaben wieder auftauchen.

Wie du Trainingstipps in der Praxis umsetzt

Die Trainingstipps-Woche ist kein 5-Stationen-Zirkel. Sie ist ein offenes, angeleitetes Schwerpunkttraining.

Bewährte Struktur für ca. 60 Minuten:

  1. Du bereitest die 3 Trainingstipp-Übungen (jeweils mit Utensilien) als drei Trainingsbereiche vor.

  2. Du teilst die Gruppe in 3 Teams/Gruppen.

  3. Jede Gruppe startet an einem Tipp-Bereich, du gehst herum und coachst.

  4. Nach einiger Zeit wechseln alle Gruppen zum nächsten Bereich.

Du darfst Trainingstipps doppelt/mehrfach aufbauen, damit keine Warteschlangen entstehen.

👉 Aufgaben-Wochen

Wie Aufgaben grundsätzlich aufgebaut sind

  • Pro Woche gibt es 5 Aufgaben → 5 Stationen.

  • Jede Aufgabe ist so formuliert, dass sie in einem Zeitfenster von 2 Minuten mehrfach abgearbeitet werden muss.

  • Punkte werden über korrekte Wiederholungen innerhalb der Zeit gesammelt.

Welche Trainingsbereiche Crossdogging abdeckt

Crossdogging kombiniert Ideen/Elemente u. a. aus:

  • Geräte-/Bewegungsaufgaben (z. B. Hürden, Tunnel, Targets)

  • Trick-/Koordination (z. B. Pfote, Positionen, kleine Sequenzen)

  • Distanzarbeit / Signalkontrolle (je nach Liga)

  • Such-/Nasenideen (je nach Woche/Monat)

  • Konzentration/Impulskontrolle (fast immer, durch Setting und Kriterien)

Wichtig: Es wird nicht „die Sportart“ trainiert, sondern die Aufgabe – oft mit einem Twist, der Kommunikation und Mitdenken erfordert.

Leistungsstufen

Study, Bachelor, Master

Damit Crossdogging für unterschiedliche Teams fair und passend bleibt, arbeiten wir mit drei Leistungsstufen: Study, Bachelor und Master. Study ist für Einsteigerteams gedacht. In dieser Liga ist Futterlocken erlaubt, Apport wird in der Regel noch nicht verlangt und die Aufgaben werden bewusst „ungenauer“ gearbeitet, mit dem Schwerpunkt auf Einstieg, Erfolg und Verständnis.

Bachelor richtet sich an Fortgeschrittene: Der Hund kann eine ordentliche Grundposition zuverlässig einnehmen, ist über die Arbeitszeit kommunikationsbereit und arbeitet teils auf Entfernung. Futterlocken ist hier nicht erlaubt.

In der Master-Liga steigen Distanz, Komplexität und erschwerende Bedingungen deutlich an. Gefordert sind eine präzise verbale und nonverbale Führung, und Gegenstände, Details und Feinheiten spielen eine stärkere Rolle. Wichtig ist dabei unsere Trainerregel: Wenn Teams deutlich zu „gut“ oder zu „schlecht“ für ihre Liga sind, stufst du sie sinnvoll hoch oder runter, damit das Training fair und passend bleibt.

 

DIE GRUNDSTRUKTUR

Ablauf einer Aufgaben-Stunde

Platzaufbau: Kreisprinzip

Die 5 Stationen werden im Kreis aufgebaut. Du stehst als Trainer*in in der Mitte. So behältst du den Überblick über alle Stationen, steuerst das Zeitmanagement, gibst Start/Stop/Wechsel/Rotation vor und sorgst für Sicherheit sowie einheitliche Kriterien.

Phase A: Aufgaben erklären (10 Minuten)

Du erklärst alle 5 Aufgaben so, dass jede*r weiß: Was ist das Ziel? Was zählt als Wiederholung? Was zählt nicht? Du kannst die Aufgabe mit einem „imaginären Hund“ vormachen. An jeder Station liegt ein Zettel mit der Aufgabenbeschreibung.

Phase B: Freies Erkunden/Üben (15 Minuten – fix)

Danach haben Teams 15 Minuten, um die Stationen anzutesten. Du hilfst, beantwortest Fragen und gibst erste Hinweise – aber du trainierst nicht „alles perfekt fertig“.

Phase C: Zirkelphase – alle Stationen laufen parallel

Ganz wichtig: Der Ablauf gilt an allen Stationen gleichzeitig. Dadurch sind alle Teams zeitgleich beschäftigt und rotieren zeitgleich auf dein Signal. Es gibt keine „Wartegruppen“.

Organisation pro Station (immer identisch): An jeder Station stehen zwei Teams (Team A und Team B).

Durchlauf 1: Team A arbeitet, Team B zählt. Team B hält den eigenen Hund währenddessen an kurzer Leine (gesichert, ruhig).
Durchlauf 2 (Rollenwechsel): Danach arbeitet Team B, Team A zählt. Team A hält den eigenen Hund jetzt an kurzer Leine.
Rotation: Erst wenn beide Teams gearbeitet haben, rotieren beide Teams im Uhrzeigersinn zur nächsten Station – alle Stationen gleichzeitig, auf dein Kommando.

Zeitformat: Standard ist: 2 Minuten pro Team (du stoppst zentral). Mit Rollenwechsel ergibt das pro Station ungefähr den Stationsblock, den du brauchst, damit du mit 5 Stationen in einer Stunde sauber durchkommst (inkl. kurzer Wechselzeiten).

Trainerpflicht in dieser Phase: Du bleibst zentral und führst die Gruppe durch Start/Stop/Wechsel/Rotation. Du achtest auf einheitliche Auslegung (sonst werden Punkte und Vergleiche unfair). Du hältst das Zeitmanagement konsequent (nicht „nebenbei am Handy“).

Phase D: Abschluss

Am Ende sammelst du die Zettel bzw. Punkte ein (wenn gewertet wird) und rundest die Stunde optional mit einem kurzen Abschluss ab – zum Beispiel mit dem Tagesbestwert, einem kleinen „Sieg“ der Stunde oder einem kurzen Rundumsatz. Beim Crossdogging können übreigens bis zu 10 Teams gleichzeitig teilnehmen. Praktisch wichtig: Unter 6 Teams fehlt oft Dynamik/Stimmung. Wenn es in der Übephase zu voll wird, steuern wir über klare Gruppeneinteilung, saubere Rotation und bei Bedarf eine zusätzliche Pausen-/Warte-Station (als Notfalllösung).

Punkte, Ranking, Eintragfristen und Quartal

Grundregeln zur Wertung

Punkte gibt es nur, wenn die Aufgabe wie gefordert ausgeführt wird. „Fast richtig“ kann trainiert werden, zählt aber nicht als Punkt.

Eintragen

Punkte müssen von dir als Trainer*in bis Sonntag 23:59 in deinem internen Bereich eingetragen sein. Danach ist ein Nachtragen nicht mehr möglich. Die Punkte können auch NICHT in der nächsten Woche dazu addiert werden..

Fairnessregel

Pro Team und Woche nur ein Ranking-Durchlauf. Es ist nicht gestattet, mehrfach anzutreten, um sein Ergebnis zu optimieren. Die Aufgaben bleiben für alle bis zum Tag des Trainings geheim! Die Aufgaben dürfen nicht weitergegeben oder fotografiert werden. 

Quartalswertung / Ligawechsel

Ein Ligawechsel ist am saubersten zum Quartalsende. Wechsel mitten im Quartal ist grundsätzlich möglich, führt aber dazu, dass Teams in zwei Ligen auftauchen bzw. die Wertung in der neuen Liga neu startet. Für Quartalswertungen gilt: Nur wer im Quartal mindestens 5× gewertet wurde, kann Quartalssieger werden. Somit kann es passieren, dass ein Kunde bei einem Wechsel mitten im Quartal nicht mehr in der Wertung auftaucht.

Material

was du vor Ort brauchst

Grundstock (typisches Basis-Set)

  • mindestens 10 Matten (60x80 cm)
  • Tunnel (5 m)
  • Hürden
  • Erdspieße
  • Eimer
  • Näpfe
  • Bälle
  • Haushaltsutensilien (z. B. Küchentücher, Löffel etc.)
  • Mörtelkübel

Spezialmaterial

Zusätzliches Material wird über die Trainingstipps angekündigt (je nach Monat), z. B. Schaumstoffwürfel, Brett, Fahrradreifen, Kunstblumen, Kochlöffel, Handschuhe usw.

Wenn Material fehlt

Grundregel: Du darfst ersetzen, solange

  • es sicher ist (keine scharfen Kanten, nichts Verschluckbares),
  • und die Aufgabenidee gleich bleibt.

Trainerrolle

Du bist im Crossdogging weniger „Einzelcoaching pro Team“ und mehr Ablauf- und Kriterienmanager:

  • du führst durch Struktur und Zeit,
  • du hältst Stationen vergleichbar,
  • du sorgst für Sicherheit und sinnvolle Pausen,
  • du coachst so, dass Teams verstehen, was gefordert ist – und wie sie dahin kommen.